Freitag, 29. August 2008

Zoos sind kritisch zu betrachten

"Guck mal Mama, ein Pinguin"
Für Kinder sind Zoos neben Spielplätzen das größte. Was sie vorher nur aus Kindersendungen, bzw. Dokumentationen und Tiersendungen kannten, wird für sie zum Greifen nah in zoologischen Gärten angeboten.
Ich erinnere mich noch an meine Kindergartenzeit. Damals war der Bahnhof noch 1km von der heutigen Straßenbahnhaltestelle entfernt, die DM Mark war noch Währung und zwischen Israel und der PLO stand das "Friedensabkommen von Oslo" , das bis heute noch Wirkung zeigt (haha ... )
Auf jeden Fall freuten wir uns schon auf die Tierwelt. Lustigekleine Erdmännchen in 20 m² "Lebens"raum, Eisbären in Einzelhaltung und "fliegende" Vögel.

Seit der Kindergartenzeit sind nun einige Jährchen vergangen und gestern war ich wieder mal im Zoo in Stuttgart. Zuerst ging ich in das Gewächshaus, welches is sehr gelungen finde. Die einzelnen Abteile sind jeweils mit anderen Pflanzenarten bewachsen und die Luftfeuchtigkeit unterscheidet sich je nach Pflanzengattung. Alles in allem mit sehr viel Liebe und Sorgfalt gepflegt.
Inmitten dieses Pflanzengartens waren Vogelkäfige aus Glasscheiben. Zuerst fiel mir auf, dass in manchen Käfigen nur ein Vogel sitzt. 2 Scheiben weiter, dort wo die Kinder dagegen klopften, saß ein kleiner Racker mit zugekneiften Augen halb auf einem Bein,halb auf die Wand gelehnt und fiepste. Vor der Scheibe hörte man die Besucher leise vor sich hin "Ohje, der sieht nich gesund aus" sagen.

Weiter zu den Jaguars, pardon, Jaguar in Einzelhaltung. Ich sah dem armen Tier ganze 5 Minuten zu, er lief von einem Käfigeck zum anderen, dann hielt ich es nicht mehr aus... verstörtes Tier.
Bei den anderen Raubkatzen war es nicht anders.


Auch die Affenarten lagen nur herum, trotz Spielzeug.

Meiner Meinung nach bemüht sich ein Zoo zwar generell um artgerechte Haltung durch teilweiße natürkopierte Umgebung und Spielzeug, jedoch kann diese Kopie nicht die Natur ersetzen.
Stellen Sie sich mal vor, sie sitzen zwar in ihrer Wohnung, aber von 9 bis 19 Uhr täglich laufen tausende Menschen an ihrem Fenster vorbei,starren sie an und sie können sich nicht verstecken.
Achja, und sie sind auch noch ALLEIN!



Bei diesem Anblick fragte ich mich, ob das auch Naturschützer tollerieren. Bei einer Sonderausstellung für Froschsterben stand sogar dort, dass sie von einer Organsisation, deren Namen ich leider nicht mehr weiß, unterstützt wird.




Im Internet las ich dann folgende Kritikpunkte der Naturschützenden:

1. Besonders Katzenarten und Bären verfallen zum steriotypischen Verhalten durch ständige Bewegungswiederholungen. Das soll an der nicht natürlichen Umgebung und die Störung der Besucher liegen und soll die Tiere sogar zur Selbsttötung oder Tötung der Artgenossen bringen

2. Inzucht. Um für Nachkommen zu sorgen werden Tiere verschiedener zoos ausgetauscht. Leider wird dabei nicht genug auf deren Stammbaum geachtet, daher kam es schon öfters, besonders früher, zu Inzucht unter den Tieren, welches erberkrankte Tiere hervobrachte.

3. Auswilderung: Zwar dient ein Zoo auch zum Aufbereiten mancher Tiere, die in der Wildbahn bedroht und somit fast ausgerottet sind, doch deren Auswilderung geschiet nicht selten ohne Schwierigkeiten. Forscher bemerkten, dass Zootiere weniger überlebungsstark sind, da ihnen dieser Überlebungsinstinkt fehlt. Sie hatten ja nie Schwierigkeiten in Sachen Flucht vor Feinden und Jagen zum Überleben.

4. Falsches Bild. Besonders für mich dienen Zoos der Bildung. Tierschützer kritisieren aber, dass Zoos ein falsches Bild der Natur und deren Schöpfungen zeigt. "Man neige dazu die Tiere wie im Zirkus zu vermenschlichen, und die mit Kunststückchen für Besucher interessanter zu machen"

Wenn man zu einem Kind sagen würde, es solle mal ein Seelöwe beschreiben, hört man sicherlich auch, dass es rückwärtsschwimmt, hochspringt und mit Bällen spielt. Zoos vermitteln eine falsche Realität, besonders für Kinder, die es nicht besser wissen können.



Fazit: Ich bin nicht komplett gegen Zoos, im Gegenteil, ich finde Zoos sehr interessant, da man die Möglichkeit hat, Tiere mal hautnah zu sehen und man sicherlich auch etwas über unsere Artenvielfalt lernt, dennoch sollten man Aufpassen und Nachdenken, warum die Tiere sich so verhalten und vorsichtig mit dem umgehen, was die Tiere machen, denn das ist sicherlich nicht das, was sie in der freien Wildbahn auch machen.
Man sollte Tiere nicht einsperren, andererseits ist artgerechte Haltung schier Unmöglich.
Ein Dilema...
Man sollte wie mit allem, auch mal den Zoo kritisch betrachten.